2015: Die ersten Wohncontainer neben dem Sportplatz stehen bereit, um geflüchteten Menschen eine erste Unterbringung in der Gemeinde zu gewährleisten. Es ziehen junge Familien mit Kindern ein… nur mit dem bekleidet, was sie mitbringen konnten. Diesem Zustand leisten die ersten ehrenamtlichen Unterstützer Abhilfe: im Freundes- und Bekanntenkreis, sowie im eigenen Fundus der Kinderklamotten, werden Kartons zusammengestellt und gepackt und den Familien zur Verfügung gestellt, die sich sehr darüber freuen.

2016 und Folgejahre: Die geflüchteten Familien sind mittlerweile aus den Containern ausgezogen und haben eigene Wohnungen beziehen können. Nun werden für den Übergang mehr junge alleinreisende geflüchtete Männer dort untergebracht. Auch diese benötigen Kleidung und wohlmeinende Bürger*innen stellen Kartons mit gebrauchter Kleidung vor der Türe ab. Die Männer suchen sich nutzbare Kleidung heraus… und wissen aber nicht, wohin mit dem Rest der Sachen. Also bleiben sie manchmal draußen stehen, da die Räumlichkeiten zu beengt sind, um sie unterzustellen. Um hier zu entlasten und gleichzeitig dem aufkommenden Unmut der Bevölkerung entgegenzuwirken über diese sichtbaren ‚Zustände‘, starten die Ehrenamtlichen als ‚Asylkreis Inden‘ die Initiative, Kleiderspenden in die (vom damaligen Bürgermeister Schuster freundlicherweise vermittelten) Räumlichkeiten des ehem. Schleckermarktes an der Hauptstraße in Inden/Altdorf zu bringen. Von dort soll zukünftig eine Koordinierung von Kleiderspenden für geflüchtete Menschen erfolgen.

Schnell füllt sich der Raum mit Kartons und Säcken mit gebrauchter Kleidung. Erstaunt und erfreut über die große Hilfsbereitschaft in der Gemeinde, erfordert es nun schnellst möglichst ein Konzept, da den Ehrenamtlichen Unmengen an Sachen beschert werden, die versorgt werden müssen. Die ANZIEHBAR wird geboren/erfunden/gefunden, die Örtlichkeit, die von damals bis heute als Anlaufstelle und Treffpunkt für geflüchtete Menschen und Einheimische dient, die in irgendeiner Form Unterstützung suchen als auch geben können. Eine Möbelspende von RWE und viel Eigeninitiative sei Dank können eine Art Laden ermöglichen. Hier werden die gespendeten Anziehsachen im SecondHandBereich seitdem sortiert, präsentiert und mit großem Erfolg zu kleinen Preisen abgegeben. Von den geflüchteten Menschen wird sie dankbar und gern angenommen.

Über die Jahre hinweg wird dieser SecondHandBereich und damit die ANZIEHBAR immer wieder umgestaltet und dem Bedarf angepasst. War 2016 noch 2/3 des Raumes gefüllt mit zum Verkauf präsentierten AnziehSachen für Frauen, Männer und Kinder, wandelte sich dieses Bild jedes Jahr.  Mittlerweile hat der Bedarf an gebrauchter Kleidung für Erwachsene nach den ersten drei Jahren erheblich abgenommen. Seit April 2019 konzentrieren wir uns auf den Bedarf an Kinderkleidung und bieten diese in einem kleinen, aber feinem Bereich weiter an.

Engagierte und handwerklich begabte Ehrenamtliche bauen seit 2015 den SecondHandBereich immer wieder um, professionalisieren ihn und stehen regelmäßig wöchentlich im Verkauf zur Verfügung, am Anfang zweimal die Woche, mittlerweile noch samstags. Fördergelder vom Land und Spenden finanzieren Teile der Einrichtung. Die Erlöse aus dem SecondHandVerkauf flossen von Anfang an zu 100% in die ANZIEHBAR und ihre Aktivitäten:  z.Bsp. Bewirtung von Planungstreffen und Festen, bei Deutsch- und Frauenkursen, bei Lernförderung und Beratungszeiten; Ermöglichung von Busfahrten zum Fußballspiel oder Stadionbesichtigung, Einkauf von Reinigungsmaterialien und Deko, und einmal im Jahr eine Aktion gesuchter Kleidung (wie Chucks oder Hosen fehlender Größe) und Geschenkpakete für Neugeborene.

Alexandra Lövenich (Gründungsmitglied)
Verantwortlich für den Bereich Second-Hand-Kleidung
49 Jahre, deutsch
Sozialarbeiterin
Lebt mit ihrer Familie in Lamersdorf