„Auch Begriffe können Scheinriesen sein. Mit etwas Abstand wirken sie übermenschlich groß, doch je näher man ihnen kommt, desto mehr schrumpfen sie zusammen, bis am Ende nichts mehr übrig bleibt außer einem Häufchen Normalität. So verhält es sich in diesen Tagen mit dem Wort „systemrelevant“.
Noch vor ein paar Wochen war die Systemrelevanz eine Art Großentdeckung des Corona-Jahres. Mit freundlichem Erstaunen nahm das Land zur Kenntnis, dass in der Krise nicht etwa die Webdesigner und Maschinenbauer den Laden, wie man so sagte, am Laufen hielten, sondern vor allem Menschen in den sozialen Dienstleistungsberufen, insbesondere in der Kranken- und Altenpflege.
Entsprechend einig war sich die Politik, dass dieser peinliche Widerspruch (unverzichtbar und unterbezahlt) beseitigt werden müsse. Und allabendlich versammelte sich das Bürgertum auf seinen Balkonen, um Beifall zu spenden und die straßenzugeigene Großherzigkeit anschließend in Videoform durchs Internet zu jagen.
Heute ist auf den Balkonen der Alltag zurückgekehrt. Es wird nicht mehr geklatscht, sondern wie üblich, geraucht, gestritten und vielleicht hin und wieder ein Falschparker notiert. Die Bundesregierung wiederum hat sich entschlossen, einen sogenannten Pflegebonus von bis zu 1500 Euro zu zahlen. Dieser allerdings gilt nur für die Altenpflege. Pflegekräfte im Krankenhaus erhalten von der Bundesregierung keine Prämie dafür, dass sie seit Beginn der Krise dort sind, wo das Risiko am größten ist.
Nun reicht die Wertschätzung in der Krankenpflege ganz offensichtlich nicht einmal mehr für eine Einmalzahlung. Dabei liegt die Erkenntnis eigentlich nahe, dass die Interessen der Pflegenden sehr schnell zu den eigenen werden können. Und vielleicht wäre das ja ein erster Schritt vom Balkonbeifall hin zu echter Solidarität.“
(Auszug aus „Braucht jeder“, von Robert Pausch, in „DIE ZEIT“ vom 09. Juli 2020. Danke.)

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